Arbeiten in Deutschland über die Westbalkanregelung: 50.000 Plätze, aber nicht auf einmal
Deutschland hält die Tür für Arbeitskräfte aus Bosnien, Serbien, dem Kosovo, Albanien, Montenegro und Nordmazedonien weiterhin offen — 50.000 Zustimmungen pro Jahr, für jede Tätigkeit, ohne Anerkennung des Abschlusses. Das Kontingent wird allerdings nach Monaten und Ländern aufgeteilt, sodass Plätze verschwinden können, bevor man an der Reihe ist.
Die Westbalkanregelung erlaubt Staatsangehörigen von sechs Ländern der Region ein Arbeitsvisum für Deutschland, unabhängig davon, ob ihr Schul- oder Berufsabschluss anerkannt ist. Voraussetzung sind ein konkretes Jobangebot eines deutschen Arbeitgebers, Lohn und Arbeitsbedingungen wie für inländische Beschäftigte auf derselben Stelle sowie die Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit. Pro Jahr werden bis zu 50.000 Zustimmungen erteilt. Selten erwähnt wird dabei, dass dieses Kontingent nicht einfach nach Reihenfolge vergeben wird: Es ist nach Monaten und Staatsangehörigkeiten aufgeteilt. Ist das Monatskontingent für ein Land ausgeschöpft, warten die übrigen Anträge auf den nächsten Monat — auch wenn sie früher eingereicht wurden. Im vergangenen Jahr war das Jahreskontingent bereits Anfang Dezember erschöpft, neue Anträge waren erst ab Januar möglich. Seit Juni 2024 ist das Verfahren deutlich besser. Der Arbeitgeber kann die Vorabzustimmung der Bundesagentur für Arbeit einholen, bevor überhaupt ein Termin in der Botschaft gebucht wird. Damit entfällt die Terminlotterie, die jahrelang das größte Problem war, und die Wartezeit verkürzt sich auf einige Wochen. Wenn Ihr Arbeitgeber davon nichts weiß, zeigen Sie ihm diesen Text — für ihn ist es ein Antrag online. Die verlangten Unterlagen ähneln sich überall: ein Pass mit mindestens neun Monaten Gültigkeit, Fotos nicht älter als sechs Monate, eine Erklärung zum Beschäftigungsverhältnis nicht älter als sechs Monate, eine Reisekrankenversicherung für die ersten 90 Tage und die Gebühr von 75 Euro, bar und passend. Für Tätigkeiten im Gesundheitsbereich wird Deutsch auf Niveau B1 verlangt. Wer über 45 ist, muss eine angemessene Altersvorsorge nachweisen. Die Bearbeitung dauert von einigen Wochen bis zu mehreren Monaten. Die Botschaften bitten ausdrücklich darum, in den ersten drei Monaten nicht nach dem Stand zu fragen — Anfragen bremsen die Bearbeitung nur. Derzeit gibt es Rückstände beim Kosovo und bei Albanien, während Anträge aus Bosnien und Herzegowina, Serbien, Montenegro und Nordmazedonien laufend bearbeitet werden. Ein Grund, das Thema im Auge zu behalten: Im Koalitionsvertrag steht die Absicht, das Kontingent von 50.000 auf 25.000 pro Jahr zu halbieren. Ein konkretes Datum gibt es noch nicht und bis dahin gelten die Regeln unverändert — wer diesen Weg plant, sollte damit aber nicht warten. Und zum Schluss, was ich in jeder Sendung wiederhole: Ein Termin in der Botschaft wird nicht gekauft. Der Antrag läuft über das offizielle Servicezentrum, und wer Ihnen gegen mehrere Hundert Euro einen „sicheren Termin" verspricht, verkauft Ihnen etwas, das er gar nicht hat. Wenn Ihnen so ein Angebot begegnet ist, schreiben Sie mir — solche Fälle sammle ich.